POST VOM ANWALT: Ein Koch wird zerrissen. Ein Funktionär ruft den Advokaten.
Der GaultMillau zerlegte die Tracht am Zürichsee ausserordentlich unfair. Wir verzichten bewusst auf Restaurantkritik. Nicht aus Feigheit, sondern aus Überzeugung. Denn wir finden, dass es uns nicht zusteht, Menschen öffentlich vorzuführen, die einfach versuchen, ihre Arbeit gut zu machen. Und deren Leistung oft genug nach subjektivem Geschmack von Testern beurteilt wird, die es selber zumeist nicht können.
Ganz anders sieht es aus, wenn Menschen in öffentlichen oder institutionellen Funktionen Entscheidungen treffen, die eine ganze Branche betreffen. Wenn z. B. Fachwissen aus der Berufsausbildung verschwindet, Verbandsgelder fragwürdig verwendet werden oder Verantwortliche Tourismusdirektoren Mist labern und unangenehme Fragen lieber unbeantwortet lassen. Dann recherchieren wir, schürfen tief und schreiben, was wir herausfinden. Auch unbequem. Auch schonungslos.
Und tatsächlich: Wir erhielten Post vom Anwalt. Wir haben daraufhin einen kritischen Beitrag freiwillig aus dem Netz genommen. Nicht, weil wir unsere Berichterstattung widerrufen, sondern weil wir niemandem länger schaden wollten. Doch wer glaubt, Rücksichtnahme sei ein Schuldeingeständnis, hat etwas Grundsätzliches missverstanden.
Über missratene Spareribs, verschwundene Verbandsgelder, empfindliche Verantwortungsträger und die Frage, weshalb journalistische Unabhängigkeit manchmal gerade darin besteht, freiwillig nachzugeben.
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Text: Romeo Brodmann | Bild: Unsplash, Chelaxy Designs
Keine Hofberichterstattung. Keine Gefälligkeitsartikel. Keine Angst vor unbequemen Fragen. Wir schreiben nicht, was den Mächtigen gefällt. Sondern was unsere Leser wissen sollten.
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Text: Romeo Brodmann | Grafik-Design: Evelin Calel
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KOCHKUNDE | GESCHICHTE: Die Mär der fünf Muttersaucen. Ein historisches Missverständnis, das um die Welt ging.
Béchamel, Velouté, Espagnole, Tomate, Hollandaise. Fünf Namen, die heute unzählige Kochschüler rund um den Globus auswendig lernen. Angeblich hat Auguste Escoffier diese fünf Muttersaucen zu Beginn des 20. Jahrhunderts festgelegt, aufbauend auf den vier Muttersaucen von Marie-Antoine Carême. Nur: Wer die historischen Originalwerke aufschlägt, findet diese Geschichte so nicht. Was ist passiert? Und wann wurde aus der hochkomplexen klassischen französischen Saucenküche ein Fünferschema, das inzwischen selbst renommierte Ausbildungsinstitutionen wie die EHL als historische Wahrheit vermitteln?
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Text: Romeo Brodmann | Bild: Unsplash
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