Woher kommt der Begriff Masterclass, der heute beinahe inflationär benutzt wird?
Masterclass wird im deutschen meist mit Meisterkurs übersetzt, doch Meister(s)klasse der Kurs des Meisters trifft es präziser.
Entstanden ist die Masterclass Mitte des 20. Jahrhunderts im Dunstfeld der Musikakademien und Musikpädagogig. Masterclass bedeutet: Ein Kurs eines Meister-Künstlers, in dem er oder sie sein oder ihr Wissen an Meisterschüler*Innen weitergibt. Die Betonung liegt auch auf Meisterschüler*innen. Es waren im Ursprung Kurse für Absolvent*innen von Musikakademien und Konservatorien mit hervorragenden Leistungsausweisen und/oder Abschlüssen in Ihren Fächern.
Im Katalog der deutschen Nationalbibliothek wird es auch so definiert: «Mehrtägiger Instrumental- oder Gesangskurs, der von einem renommierten Künstler meist in der Sommerpause für fortgeschrittene Stundenden abgehalten wird.» Und auf der Site Deutsches Musikinformationszentrum (miz.org) kann die Dimension und Tiefe von wirklicher Masterlass beäugt werden. Wikipedia benennt auch einen möglichen ersten Entstehungsort dieses Formates: Ab 1959 fanden an der Musikakademie von Nizza jährlich im Juli und August Meisterkurse für Gitarre statt und gegenwärtig hat sich das Franz-Schubert-Institut in Baden bei Wien als Sommerakademie auf Masterclass spezialisiert.
Der Kern der Sache ist immer derselbe: Wissen von Befähigten an Befähigte weitergeben, welches eine Basis schafft, auf der neues entstehen und gedeihen kann.
Masterclass ist im Grunde nichts anderes als ein Format der Wissensweitergabe Meister-Meisterschülerbeziehung.
Alle grossen Meister, die umfassende Werke schufen, hatten einen oder mehrere langjährige, ausserordentlich begabte Schüler. Auf diese Schüler wurde Wissen übertragen, auf deren Basis sie mitunter ihre eigenen Theorien, Praxen oder Werke schreiben und selbst zu grossen Meistern aufsteigen konnten. Nachfolgend einige wenige Beispiele:
Wolfgang Amadeus Mozart bildete beispielsweise Johann Nepomuk Hummel und Franz Xaver Süssmayr aus. Letzterer schrieb sein Werk Requiem, während dessen Schaffung Mozart starb, fertig.
Ludwig van Beethoven war in Bezug auf das Komponieren Joseph Haydns Schüler, er selbst bildete allerdings niemanden nennenswert aus.
Rembrandt van Rijn hatte in der Kunstmalerszene schon früh das, was seit Mitte des. 20. Jahrhunderts explizit als Mastercalss in der Musikpädagogik betrieben wird: In seinem Atelier wahren zeitweise so viele begabte und talentierte Schüler zugegen, dass viele seine Bilder gar nicht er selbst gemalt habe, so einige Quellen.
Solche Maler- und Ausbildungswerkstätten in denen Kunst produziert wurde, waren zu dieser Zeit durchaus üblich. Auch Michel Angelo Merisi da Caravaggio wurde unter vielem anderem im Atelier des vom Papst Clemens VIII bevorzugten Küstlers Giuseppe Cesari ausgebildet.
Leornardo da Vinci hatte einige Schüler und ein Liebling: Franzesco Melzi. Der war darüber hinaus auch sein Haupterbe, der gewissenhaft den Nachlass des Meisters unter dem Titel Trattato della Pittura sammelte, pflegte und verwaltete was uns heute zugute kommt.
Sigmund Freud, der Vater der Psychoanalyse hatte beispielsweise Melanie Klein oder Jacques Lacan als Schüler.
Carl Gustav Jung begründete die analytische Psychologie. Er stand in engem Kontakt mit Freud, überwarf sich aber später mit ihm. Seine Schüler waren Sabina Spielrein und Toni Wolff. Letztere begründete sozusagen die Vereinigung der Anhänger von Jungs Theorie, sozusagen die Sonderform Masterclass ohne Meister – die Schüler*innen erörterten die Theorien und bildeten sich so selber fort. Darauf gründet wohl auch die Entstehung des Begriffes «Jungianer» für Jungs Schüler und Anhänger.
Meister und Meisterschüler - das hat natürlich in der Küche genauso bestand:
Die grossen Schüler von Paul Bocuse waren beispielsweise der Jahrhundertkoch Eckardt Witzigmann und Heinz Winkler. Bocuse selbst lernte bei Fernand Point, einem der Urväter der Nouvelle Cuisine.
Armand Pluméry (Plumerey) vollendete das letzte Werk seines Meister post mortem: L'Art de la cuisine au XIXe siècle von Marie-Antonin Carême.
Selbstverständlich hatte auch Auguste Escoffier seinen Schüler, die allerdings hierzulande kaum bekannt sind, wohl weil sie wie beispielsweise Eugéne Herbodeau oder Joseph Donon in England und den USA Karriere machten. Ersterer eröffnete nach seiner Kariere Carlton Ritz sein eigenes Restaurant L’écu de France. Letzterer ergatterte sich im The New Yorker seinen Titel: Die Zeitung nannte ihn «wahrscheinlich den reichsten und berühmtesten Privatkoch der Welt», und es gebe auch allen Grund zu der Annahme, dass der geliebte französische Koch von Florence Vanderbilt Twombly, Joseph Donon, genau das war.
Wer sich eine Bild über die Dimension von Masterclass-Dimensionen heute machen will, sollte das vor sieben Jahren von Yanka Industries inc. gegründete Format masterclass.com besuchen. Hier unterichten online von Massimo Bottura bis Gordon Ramsay, von Alicia Keys bis Metallica und von Garry Kasparov bis Serena Williams.