Als der Jaguar E-Type 1961 auf die Welt kam, sah er aus wie ein Auto, das eigentlich gar nicht hätte zugelassen werden dürfen, es war schlicht zu schön.
Endlose Haube. Hüften wie aus Blech gegossene Erotik. Und vorne diese beiden Scheinwerfer, sauber unter Glas versenkt, als hätte jemand beschlossen, dass selbst Licht aerodynamisch sein müsse.
Dann kam Amerika.
Nicht das Amerika der Route 66, des Big-Block-V8 und des grenzenlosen Automobils. Sondern das Amerika der Vorschrift.
Der britische Jaguar E-Type war in den USA unglaublich erfolgreich und liess die Amerikanische Konkurrenz ziemlich viel Staub schlucken. Ab dem Modelljahr 1968 verlangten die neuen US-Sicherheitsvorschriften plötzlich standardisierte Sealed beam-Scheinwerfer und untersagten Abdeckungen vor den Leuchten. Die charakteristischen Glasabdeckungen des E-Type mussten verschwinden. Auch die eleganten Kippschalter im Cockpit und die geflügelten Zentralverschlüsse der Räder gerieten unter regulatorischen Beschuss. Man kann es gelinde als künstlich konstruierten regulatorischen Heimvorteil der amerikanischen Automobilindustrie bezeichnen.
Der E-Type bekam offene Augen. Viele fanden das nicht hübsch. Dem Erfolg tat dies aber kein Abbruch. Doch damit war Brüssel – pardon, Washington – noch lange nicht fertig.
Nun kamen die Abgasvorschriften.
Für den amerikanischen Markt verschwanden in der folge beim E-Type-Sechszylinder die drei SU-Vergaser und wurden durch zwei Zenith-Stromberg ersetzt. Die Folge: weniger Leistung, weniger Biss, weniger von jenem Wahnsinn, für den der frühe E-Type berühmt geworden war. Die Leistung sank bei den US-Versionen spürbar.
Jaguar hätte nun sagen können: Gut. Dann bauen wir eben ein vernünftiges Auto.
Jaguar reagierte jedoch mit dem trockenen, leicht bösartigen britischen Humor.
Da die Haube lang genug war, koppelte man zwei 6 Zylinder zu einem V12.
1971 erschien die Serie III mit 5,3 Litern Hubraum und zwölf Zylindern: Kraftvoll, bissig, mit Laufruhe und Souveränität.
Damit entstand eine jener wunderbaren Ironien der Regulierung: Man wollte ein Auto sauberer, sicherer und vernünftiger machen und auch, um den Erfolg zu Bremsen. Am Ende bekam Amerika einen pornografischen Wahnsinn auf vier Rädern.
So viel zum pädagogischen Wert von Regulierungen: Erstens kommt es anderes und zweitens als man denkt.
Die EU soll sich selbst zuerst einmal zu Tode regulieren. Dann kommt die Lebensfreude von selbst zurück. Also lassen wir Schweizer die EU am besten EU sein.
