John Montagu, seines Zeichens vierter Earl of Sandwich, war, was das Kartenspielen anging, süchtig und versessen. Der Hunger während der stunden- und nächtelangen Spielrunden bereitete ihm offenkundig Mühe – das Spiel zu unterbrechen kam jedoch nicht in Frage.
1762 soll er, der Legende nach, seinen Bediensteten aufgetragen haben, sein Essen zwischen zwei Brotscheiben zu legen. Als seine Mitspieler beobachten mussten, wie der Earl of Sandwich diese zwischen Brot geklemmte Mahlzeit verdrückte, wollten sie dasselbe und bestellten „a bread like that of Sandwich“. So in etwa wird es nach der Enzyklopädie Britannicain A Tour to London von Pierre-Jean Grosley (1772) beschrieben und basiere auf dem Tagebuch von John Montagu.
Diese Geschichte ist gut dokumentiert, allerdings nicht unumstritten. Der persönliche Biograf John Montagüs widersprach dieser Kartenspiel-Variante und hielt stattdessen fest, der Earl habe das Gericht erfunden, um seine Arbeit am Schreibtisch nicht unterbrechen zu müssen.
Der Rest ist bekannt: Das Sandwich trat seinen Siegeszug um die Welt an und verbreitete sich über alle Kontinente. Nachfolgend die wichtigsten Arten und Bezeichnungen.
Anzumerken ist: Die Aufzählung stellt eine umfassende Übersicht dar, erhebt jedoch keinen Anspruch auf absolute Vollständigkeit.
Der Ursprung: Das Sandwich des Earl of Sandwich
Gebratenes Rindfleisch, erkaltet, in dünne Scheiben geschnitten, leicht gesalzen, zwischen zwei Brotscheiben.
Sandwich, allgemein
Alles, was zwischen Brotscheiben, Brötchen oder ähnlichem Brot eingeklemmt ist. Eine verbindliche Definition existiert nicht.
Alphabetische Gesamtliste mit Beschreibungen
Arepa (VE / CO)
Rundes Fladenbrot aus Maismehl, aufgeschnitten und gefüllt. Klassisch mit Käse, Fleisch, Bohnen oder Avocado. Je nach Definition eher Grenzfall, kulturell jedoch fest im Sandwich-Kanon verankert.
Bánh mì (VN)
Baguette vietnamesischer Prägung, gefüllt mit Fleisch (oft Schwein), eingelegtem Gemüse, Koriander und Chili. Ergebnis der französischen Kolonialgeschichte, heute weltweit verbreitet.
BLT Sandwich (USA)
Weissbrotscheiben, getoastet: Bacon, Lettuce, Tomato.
Frühstücksspeck gebraten, dazu Salat und Tomaten.
Bocadillo (ES)
Spanisches Weissbrot, meist Baguette-ähnlich, gefüllt mit Jamón, Käse, Tortilla oder frittierten Calamares. Fester Bestandteil spanischer Alltagsküche.
Bookmaker Sandwich (GB)
Weissbrotscheiben, getoastet, Rindersteak oder Roastbeef, blutig gebraten, erkaltet, dünn geschnitten, dazu Senf und/oder Meerrettich.
Cheeseburger (USA)
Hamburger mit einer Scheibe Schmelzkäse. Klassische Ableitung des Hamburgers.
Chicken Sandwich (GB)
Weissbrotscheiben, getoastet, Poulet- bzw. Hühnerbrust, gekocht oder gebraten, erkaltet und in dünne Scheiben geschnitten.
Club Sandwich (USA)
Weissbrotscheiben, getoastet, gebratene Hühnerbrust, Frühstücksspeck, Kopfsalat, Mayonnaise. Klassisch dreistöckig.

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Croque (FR)
Französische Variante des Sandwiches. Der Name stammt von croquer – knacken.
Erstmals um 1910 in Pariser Cafés angeboten.
Croque Madame (FR)
Ein Croque Monsieur, zum Schluss mit einem Spiegelei belegt.
Croque Monsieur (FR)
Weissbrot oder Brioche, gefüllt mit gekochtem Schinken und Käse, getoastet oder gebacken, häufig mit Käse überbacken.
Cuban Sandwich (CU / USA)
Gepresstes Weissbrot mit Schweinebraten, Schinken, Käse, Senf und Essiggurken. Entstanden in der kubanisch-amerikanischen Gemeinschaft Floridas.
Cucumber Sandwich (GB)
Weissbrotscheiben, gesalzene Butter, Salatgurke in sehr dünne Scheiben geschnitten, leicht mit Salz (vereinzelt Zucker) abgeschmeckt. Klassisch zum Afternoon Tea.
Döner Kebab (TR / DE)
«Döner» bezeichnet drehend gegrilltes Fleisch. Ursprünglich wurde es als Tellergericht serviert: frisch vom Spiess geschnittenes Fleisch, angerichtet mit geschmorten Tomaten und mit geschmolzener Butter übergossen, dazu Reis und Salat.
Die heute bekannte Imbissform im Fladenbrot entstand in Deutschland um 1970. Wer sie erfand, ist nicht restlos geklärt. Sicher ist: Von hier aus trat der Döner seinen weltweiten Siegeszug an.
Allein in Deutschland existieren heute rund 20’000 Dönerbetriebe.
Falafel Sandwich (Naher Osten)
Fladenbrot gefüllt mit frittierten Kichererbsenbällchen, Salat und Sesam- oder Joghurt-Tahini-Saucen. Vegetarischer Klassiker mit politischer und kultureller Bedeutung.
Francesinha (PT)
Mehrstöckiges Toastsandwich aus Porto mit Schinken, Linguiça, Rindssteak, Käse und oft Spiegelei. Serviert in einer würzigen, tomatenbasierten Sauce.
Hamburger (DE / USA)
Der Hamburger gilt allgemein ebenfalls als Sandwich. Die Herkunft der Bezeichnung ist nicht eindeutig geklärt; mehrere plausible Erklärungen existieren. Klar definiert ist hingegen, was er ist:
Ein aufgeschnittenes Brötchen (Bun), gefüllt mit einer gebratenen Scheibe aus Rinderhackfleisch (Patty). Die weiteren Zutaten sind Geschmackssache.
I. In Hamburg gibt es seit jeher das «Rundstück warm» – Brötchen mit Rinder- oder Schweinebraten oder Frikadelle, etwas Sauce, gelegentlich ergänzt durch gekochtes Ei oder rohes Eigelb.
II. Eine These besagt, dass dieses «Hamburger Stück» mit deutschen Auswanderern in die USA kam. Schriftlich belegt ist, dass an der Weltausstellung 1904 in St. Louis Frikadellen im Brötchen als «Hamburg» verkauft wurden.
III. Eine weitere Geschichte führt den Hamburger auf die Brüder Menches zurück, die Ende des 19. Jahrhunderts auf einem Jahrmarkt nahe Hamburg (New York) Hacksteak im Brötchen verkauften. Der Staat New York beansprucht diese Version mit dem Slogan:
«The Hamburger – New York’s Gift to the World Cuisine.»
IV. Bereits 1842 findet sich in einem Kochbuch die Bezeichnung «Steak nach Hamburger Art» für Rinderhackfleisch.
V. Eine weitere Erklärung bezieht sich auf den Hamburger Hafen: Hochwertiges Rindfleisch wurde dort verschifft und trug den Qualitätsstempel «Hamburg».
Ableitungen:
- Cheeseburger (USA) – Hamburger mit Schmelzkäse
- Quarter Pounder (USA) – benannt nach dem Fleischgewicht (¼ Pfund ≈ 113 g), 1970 von Al Bernardin für McDonald’s entwickelt
Heute gelten für Burger kaum noch Regeln; der Begriff wird frei kombiniert (Pulled Pork Burger, Chicken Burger, Fish Burger usw.).
Anzumerken ist: In allen seriösen Quellen gilt als gesichert, dass der Hamburger nichts mit ham (Schinken) zu tun hat.

Bild: Unsplash, Chad Montano
Hot Dog (DE / USA)
Längliches Weizenbrötchen mit heissem Würstchen.
Die heutige Form geht auf Charles Feltman (Brooklyn, ab 1867) zurück. In den USA vielfältig belegt, in Europa meist mit Senf und/oder Ketchup gefüllt.
Katsu Sando (JP)
Weiches Weissbrot (Shokupan), gefüllt mit paniertem, frittiertem Schweine- oder Hühnerschnitzel, meist mit süsslicher Sauce. Moderne Ikone der japanischen Küche.
Lobster Roll (USA)
Weiches Brötchen gefüllt mit Hummerfleisch, meist mit Butter oder Mayonnaise. Spezialität der US-Ostküste.
Lucullus Sandwich (GB)
Weissbrotscheiben, getoastet, mit getrüffelter Gänsestopflebercreme bestrichen und mit Madeira abgeschmeckt.
Muffuletta Sandwich (USA)
Rundes Weizenbrot mit Sesam, gefüllt mit Salami, Schinken oder Coppa, Mortadella, Käse und Oliven-Gemüsesalat. Ursprung in New Orleans.
Onigirazu (JP) – das Reis-Sandwich
Statt Brot wird Reis verwendet, meist gesäuert wie Sushi-Reis. Füllungen sind variabel: Thunfisch mit Mayo, Lachs, Gemüse, Fleisch, Omelett oder auch Tempura. Der Reis wird in Nori-Algenblätter (getrocknete Seetangblätter) eingewickelt, ähnlich wie ein Wrap.
Anders als klassische Onigiri (Reisbällchen) wird Onigirazu nicht geformt, sondern gefaltet, daher der Name (nigiru = formen, zu = Negation, also nicht geformt). Sehr modern, wurde erst populär in den 1990er–2000er Jahren, obwohl Onigirazu von der traditionellen Onigiri-Kultur inspiriert ist.

Bild: Unsplash, Markus Winkler | Durch und durch kommerzialisiert. Onigirazu wird oft als Onigiri verkauft.
Panini (IT)
Warmes Sandwich aus Ciabatta oder ähnlichem Brot, gefüllt und gepresst. International verbreitet, in Italien eher Sammelbegriff als feste Rezeptur.
Pastrami Sandwich (USA)
Meist Weissbrotscheiben, Pastrami (gepökeltes, gewürztes, geräuchertes Rindfleisch), dazu Senf und Essiggurken.
Philly Cheesesteak (USA)
Langes Weizenbrot mit fein geschnittenem Rindfleisch und geschmolzenem Käse. Kulinarisches Wahrzeichen Philadelphias.
Piadina (IT)
Fladenbrot aus Weizenmehl, Wasser und Salz, oft mit Fett verfeinert. Kurz gebacken, belegt und gefaltet. Klassische Füllungen sind Käse, Schinken und Salat.
Po’boy (USA)
Langes Brot aus New Orleans, gefüllt mit frittierten Meeresfrüchten oder Roastbeef. Entstanden aus Arbeiterverpflegung.
Quarter Pounder (USA)
Hamburger-Variante (siehe Hamburger), benannt nach dem Fleischgewicht (¼ Pfund ≈ 113 g). 1970 von Al Bernardin für McDonald’s entwickelt.
Reuben Sandwich (USA)
Roggenbrot, Corned Beef, Emmentaler oder Schweizer Käse, Sauerkraut, pikantes Dressing.
Restaurant Sandwich (GB)
Weissbrotscheiben, getoastet, gekochter Schinken, Rinderfilet, gekochte Pökelzunge und Sardellenfilets.
Sabich (IL)
Fladenbrot gefüllt mit frittierten Auberginen, Ei, Salaten und Amba-Sauce. Ursprünglich irakisch-jüdisch, heute israelischer Klassiker.
Shawarma im Fladenbrot (Naher Osten)
Drehspiessfleisch im Fladenbrot mit Salaten und Saucen. Eng verwandt mit dem Döner, regional unterschiedlich ausgeprägt.
Sloppy Joe (USA)
Hackfleisch in tomatiger Sauce, serviert im aufgeschnittenen Brötchen. Hausmannskost mit Sandwich-Charakter.
Smørrebrød (DK)
Offenes Sandwich auf Roggenbrot mit Fisch, Fleisch oder Ei. Formal offen, kulturell jedoch zentral für die Sandwichgeschichte.
Toast Sandwich (GB)
Getoastete Weissbrotscheiben mit Butter, Salz und Pfeffer. Historisch belegt, kulinarisch minimalistisch.
Tramezzini (IT)
Weissbrotscheiben ohne Rinde. Gefüllt, diagonal geschnitten oder gerollt. Entscheidend ist die Form, nicht der Inhalt.
