Datenschutz und Altersbeschränkung

Das Pauli Magazin richtet sich ausdrücklich an Personen ab 18 Jahren. Dies gilt sowohl für redaktionelle Inhalte als auch für Werbung, da Themen wie Alkohol, Tabak und Genussmittel integraler Bestandteil unserer Berichterstattung sind.

0 0 Teilen:

  POLITIK | FRÜHJAHRSSESSION: Motion Rieder (25.4578): «Das freiwillige Trinkgeld ist nicht Teil des Gehalts.»

Im Rahmen der AHV-Reform 2030 will der Bundesrat Beitragslücken schliessen, damit auf allen ausbezahlten Löhnen AHV-Beiträge erhoben werden und jeder verdiente Franken in die Rentenberechnung einfliesst – auch in Tieflohnbranchen. In diesem Zusammenhang prüft er die Beitragspflicht auf Trinkgeldern.

Schon heute sind Trinkgelder beitragspflichtig, wenn sie einen wesentlichen Bestandteil des Arbeitsentgelts darstellen. Problem: Der Begriff «wesentlich» ist rechtlich unklar definiert und führt zu Unsicherheit.

Der Bundesrat will deshalb die AHVV präzisieren – allerdings «zurückhaltend»: Künftig sollen nur noch Trinkgelder beitragspflichtig sein, die einen offensichtlich erheblichen Bestandteil des Arbeitsentgeltsbilden und dem Arbeitgeber bekannt sind.

Der Schritt von
«wesentlicher Bestandteil»
zu
«offensichtlich erheblicher Bestandteil»
ist auf der Ebene der Wortbedeutung eine Feinjustierung, praktisch aber ein Grenzverschiebungs-Manöver. Es wird nicht klarer. Es wird nur höher gehängt. Rechtsdogmatisch ist das ghupft wie gsprungen, nur mit zusätzlicher Interpretationsstufe.

Mit Motion 25.4578 verlangt Ständerat Beat Rieder, dass freiwilliges Trinkgeld rechtlich eindeutig nicht als Lohn gilt – also nicht Teil des massgebenden Arbeitsentgelts für Steuern und Sozialversicherungsabgaben sein soll. Ziel ist Rechtssicherheit für Branchen wie Gastronomie und Hotellerie und die ausdrückliche Bestätigung des Schenkungscharakters von Trinkgeldern.

Quelle: https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20254578

Das Geschäft 25.4578 Mo. Rieder «Das freiwillige Trinkgeld ist nicht Teil des Gehalts» wurde  in der Frühjahrssession 2026 des Schweizer Parlaments am Montag, 2. März im Ständerat behandelt und angenommen. Als nächstes wird die Motion Rieder im Nationalrat behandelt.

_____________________________________________
Text: Romeo Brodmann | Bilder: Unsplash,  Matthew Lancaster
Von Verband bis Marketing und Kommunikation auf LEEK.ch
LEEK.ch: Die unabhänige Suchplattform für Gastronomie und Hotellerie von Das Pauli Magazin.
Finden Sie ein Produkt oder ein Unternehmen nicht? Oder finden Sie Ihre eigene Firma nicht? Melden Sie dies bitte via info@leek.ch.

Heute gilt Trinkgeld in der Regel nicht als Lohn, solange es keinen erheblichen Anteil am Einkommen ausmacht. Allerdings sorgt der Trend zu digitalen Zahlungen für Unsicherheit: elektronisch gegebene Trinkgelder sind leichter nachweisbar als Bargeld, was abgaben- und steuerrechtlich relevant wird. 

Politische Konfliktlinien

Beim Thema Trinkgeld prallen drei Dinge aufeinander.

Erstens: Rechtssicherheit gegen soziale Absicherung.
Die einen sagen: Trinkgeld ist ein freiwilliges Geschenk des Gastes und kein Lohn. Deshalb soll es nicht automatisch AHV-pflichtig sein.
Die anderen sagen: Wenn darauf keine Beiträge bezahlt werden, fehlen den Mitarbeitenden später Rentenansprüche – vor allem in Tieflohnbranchen.

Zweitens: Tradition gegen Digitalisierung.
Früher war Trinkgeld Bargeld und galt als persönliche Gabe.
Heute läuft vieles digital. Und was auf dem Terminal erscheint, ist sichtbar, abrechenbar und wirkt plötzlich wie regulärer Lohn.

Drittens: Die Branche selbst.
Gerade Gastronomie und Hotellerie sind stark auf Trinkgeld angewiesen. Klare Regeln würden Bürokratie reduzieren. Und wenn weniger Abgaben anfallen, bleibt mehr Spielraum, um Jobs attraktiv zu halten.

Die grosse Frage lautet eigentlich – ist Trinkgeld ein Geschenk oder ein versteckter Lohnbestandteil?

Fazit
Die Motion will einen klaren rechtlichen Rahmen schaffen, der den Schenkungscharakter von Trinkgeldern rechtlich schützt und unsichere steuer-/abgabenrechtliche Grauzonen beendet. Sie steht im Zentrum einer Debatte über die Zukunft des Tipping-Systems in der Schweiz: zwischen modernisierter Payment-Realität und traditioneller Wertschätzungskultur.