POLITIK | FRÜHJAHRSSESSION: Parlamentarische Initiative der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur des Nationalrates: Indirekter Gegenentwurf zur Stopfleber-Initiative (25.404).
Die Volksinitiative «Ja zum Importverbot für Stopfleber» wurde 2021 von einem überparteilichen Komitee aus Tier- und Konsumentenschutzkreisen lanciert, nachdem die Stopfleberproduktion in der Schweiz seit Jahrzehnten verboten ist, der Import jedoch weiterhin erlaubt blieb. Zustande kam sie durch die Sammlung von über 100'000 gültigen Unterschriften, wodurch sie formell eingereicht und dem parlamentarischen Prüfungsverfahren unterstellt wurde.
Per Parlamentarischer Initiative 25.404 schlägt die Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur des Nationalrates (WBK-N) einen indirekten Gegenvorschlag zur Volksinitiative «Ja zum Importverbot für Stopfleber» vor. Statt eines vollständigen Importverbots will das Parlament via Gesetz Massnahmen schaffen, um den Import von Stopfleber und ähnlichen Produkten zu begrenzen, z. B. durch eine Deklarationspflicht und ein Monitoring, das nach fünf Jahren bei fehlender Reduktion stärkere Massnahmen auslöst.
Quelle: https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20250404
Der indirekte Gegenvorschlag ist noch nicht als konkreter Traktandenpunkt mit Datum geplant, wird aber aller Voraussicht nach in der Frühjahrssession 2026 beraten, sobald der parlamentarische Vorbereitungsprozess abgeschlossen ist.
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Text: Romeo Brodmann | Bilder: Unsplash, Lee Milo
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Bilder: Unsplash, Lee Milo | Pithivier au foie gras
Politische Konfliktlinien
Direktes Verbot vs. pragmatische Regulierung
Initianten & Tierschützer fordern ein vollständiges Importverbot, um Tierleid zu beenden.
Der indirekte Gegenentwurf setzt auf gesetzliche Regeln, Kennzeichnung und Monitoring, damit Importe sinken, ohne sofort alle Produkte zu verbieten.
Freiheit des Handels vs. Tierwohl
Befürworter sehen im Gegenvorschlag einen kompromissfähigen Ansatz, der sowohl Tierwohl stärkt als auch die Handelsbeziehungen respektiert.
Bürgerliche Kreise (SVP, FDP) kritisieren zusätzliche Restriktionen als wirtschaftlich schädlich und kulturfeindlich, weil sie Importe und Gastronomie belasten könnten.
Kulturelle Vielfalt vs. Schutzstandards
Produkte wie Foie Gras gehören für Teile der Bevölkerung zur kulinarischen Tradition – besonders in der Westschweiz. Gegner sehen in gesetzlichen Zusatzvorschriften eine Stigmatisierung traditioneller Genüsse.
Fazit
Dieses Geschäft steht nicht einfach für eine tierethische Debatte, sondern für einen Balanceakt zwischen Tierschutz, Wirtschafts- und Kulturinteressen:
Es will tierquälerische Praktiken nicht direkt verbieten, aber Importströme reduzieren.
Es verschiebt die Debatte von einem absoluten Verbot zu einer qualifizierten Regulierung – mit gesetzlicher Basis statt nur Verordnungen.
