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  Das Pauli Magazin Newsletter 18. Februar 2026: Weshalb die vertikale Karriere ein Irrtum ist und der Koch nicht bleiben darf | Warenkunde: Das ist bitter, du Gurke.

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Liebe Leserin, lieber Leser
Es war ein entspanntes Gespräch. Die Katze lief gerade über den Tisch, als Marianne Hopsch, Präsidentin von ROBIJ, den Finger sanft, aber bestimmt in eine offene Wunde der Wirtschaft legte. Die einen AnwärterInnen für die Berufslehre verfügen über gute Noten, solide Sprachkenntnisse und damit über den fast automatischen Zugang zu begehrten Ausbildungsplätzen. Es sind oft dieselben, denen die Karriereleiter präsentiert wird, noch bevor sie einen Finger krümmen mussten und die heute immer öfter auch gleich noch die Teilzeitlehre fordern. Und dann sind da die anderen: ohne makellose Zeugnisse, mit oft schwachen Sprachkenntnissen, dafür mit Leistungswillen, Arbeitslust und dem Wunsch, sich zu beweisen.
Hopsch benennt den systemischen Widerspruch: Auf der einen Seite klagt die Wirtschaft über fehlenden Nachwuchs, auf der anderen Seite scheitern junge Menschen mit erschwerten Startbedingungen bereits an der ersten Hürde, der Einladung. Zeugnisse, Sprachdefizite, Aufenthaltsdauer: Was als Selektionsinstrument gedacht ist, wirkt längst als Ausschlussmechanismus. ROBIJ – Rotarier für die berufliche Integration Jugendlicher – ist kein Sozialprojekt im klassischen Sinn. Der Verein betreut keine Jugendlichen, verwaltet keine Fälle und optimiert keine Lebensläufe. ROBIJ tut etwas weit Einfacheres und zugleich Wirksameres: Er bringt Menschen zusammen. Lehrmeister und Betriebe, die Lernende suchen. Und Jugendliche, die arbeiten wollen, aber kaum je die Gelegenheit erhalten, einen Betrieb überhaupt kennenzulernen.
Hopsch sagt im Gespräch: «Die klügsten Betriebe sind jene, die einladen statt aussortieren. Die weniger auf Zeugnisse schauen und mehr darauf, ob im Betrieb ein Knopf aufgeht. Denn genau dort entstehen Loyalität, Engagement und langfristig Qualität.» Hierbei tritt auch einmal mehr einer unserer grundlegenden Systemfehler zutage: das gesellschaftliche Verdikt, wonach nur der Aufstieg als Erfolg gilt.
Die vertikale Karriere, ein System, in dem Bleiben bestraft wird, ist ein Irrtum. Bekannt ist er auch als Peter-Prinzip: Beförderung bis zur Unfähigkeit. Wir haben uns dieses Modell, das nicht Können in die Tiefe, sondern Bewegung nach oben belohnt, angesehen und gefragt, was es mit dem Fachkräftemangel zu tun hat. Die Kritik an der vertikalen Karriere nach dem Peterprinzip ist dann allerdings keine Absage an Weiterbildung oder Führungsausbildung, im Gegenteil: Sie betont, dass Führung auf höheren Hierarchiestufen erlernt werden muss, eigenes Talent voraussetzt und ein eigenständiges Fachgebiet ist, nicht die automatische Verlängerung fachlicher Exzellenz. Beachten Sie diesbezüglich weiter unten den neuen Lehrgang CAS FG in Excellence in Gastronomy, initiiert vom Verband Schweizer Gastronomie-Grossunternehmen SGG.
Unsere Gesellschaft jedenfalls hat nicht zuletzt durch die Digitalisierung gelernt, Berufe bedeutungsschwer zu inszenieren, und dabei verlernt, sie ernst zu nehmen. In Bezug auf den gegenwärtigen ganz allgemeinen Zerfall bewährter Werte sagte der kanadische Premierminister am World Economic Forum: «Die alte Ordnung kommt nicht zurück. Wir sollten sie nicht betrauern. Nostalgie ist keine Strategie. Aber aus dieser Zäsur heraus können wir etwas Grösseres, Besseres, Stärkeres, Gerechteres bauen.» Nostalgie ist tatsächlich keine Strategie. Aber die Abschaffung des Gedächtnisses ist auch keine. Wir versuchen hier mit sieben Thesen zu erkunden, weshalb der Koch nicht bleiben darf und wieso nichts wirklich Grosses im Anmarsch ist. Ein klein Wenig grosszügigere Voraussicht in der Berufsbildung wäre jedoch dringend nötig, denn seit 2022 sinkt die Geburtenrate; laut Bundesamt für Statistik wirkt sich das ab 2027 auf die Schulen und ab 2032 auf die klassischen Lehrlingskohorten aus. Brisant und interessant wird dies in Korrelation mit der exponentiellen Dynamik der Digitalisierung.
Das ist bitter, du Gurke.
Wir haben uns warenkundlich der Bittermelone gewidmet, inklusive eines passenden Einstiegsrezepts: ein Lob der Bitterkeit an die Schönheit der Bittergurke. Nichts für Ungeübte und Schwachsalzer. Alle anderen bitte ganz nach unten Scrollen. In logischer Folge galt unsereAufmerksamkeit auch einer fast normalen, aber eben nicht ganz gewöhnlichen Gurke, die in alten Rezepten immer wieder auftaucht: die Concombre agourci de Russie, der braunen, genetzten Walzengurke. Das ist eine alte, gut lagerfähige Sorte. In früheren Zeiten läge sie im Winter durchaus noch, aus der herbstlichen Ernte stammend, im kühlen Lagerkeller. Zudem haben wir Ihnen das Globale Snack-Manifest aufgearbeitet: Das Sandwiche oder eine Geschichte in Scheiben. Die wichtigsten Eingeklemmten weltweit im Überblick.
Viel Spass beim Lesen.
Romeo Brodmann
Chefredaktor und Verleger von Das Pauli Magazin
 


 

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