Plötzlich fehlen einer ganzen Branche die Mitarbeitenden. Im ersten Lockdown hat man viele mit 80 Prozent Lohn in den Lockdown geschickt. Nicht wenige wurden auf die Strasse gestellt. Viele davon wurden von den digitalen Handelsfirmen – den Profiteuren der Krise – absorbiert, gelockt und befriedigt mit besseren Löhnen, angenehmen Arbeitszeiten und ganz allgemein mit angenehmeren Arbeitsbedingungen. Die Branche hat das verschlafen.
Nur schon im Wallis fehlen derzeit 700 Mitarbeitende. Nicht wenige wurden im 1. Lockdown entlassen und von der Lonza für die Impfstoffproduktion angestellt.
Anfang November forderte dann Damian Constantin, Direktor der Tourismusorganisation Valais/Wallis, Studenten und Absolventen der Hotelfachschulen sollen in den Service. Angesichts der Tatsache, dass sich viele Angestellte der Gastronomie mit ihren kleinen Löhnen die Kosten einer Hotelfachschule am Maul absparen, ist das aus Sicht von Das Pauli Magazin nicht nur eine abstruse, sondern im höchsten Masse arrogante Haltung - mit den kleinen Leuten kann man es ja machen. Da wird der Begriff Human Resources wortwörtlich: Ressourcen müssen abgebaut und verbrannt werden. Das werfe doch nur weiter ein schlechtes Licht auf die Branche?
Das sieht Michel Rochat differenzierter. Gerade in Bezug auf die Krise und dem damit einhergehenden Digitalunterricht sei so etwas eigentlich eine gute Möglichkeit, Praxiserfahrung zu sammeln. Es müsse nämlich deutlich unterschieden werden zwischen dem einjährigen Vorkurs und den Hauptkursen. Im Vorkurs geht es hauptsächlich genau um die Praxiserfahrung. Im Übrigen können wir alle für diese Art von Krisen üben, denn es werde wohl kaum die letzte gewesen sein. Man solle sich doch an die Hongkong-Grippe erinnern. Das war damals ganz ähnlich wie heute, nur gab es kaum Presseinteresse, schon gar kein Internet und das Ganze wurde von der darauffolgenden Ölkrise verdeckt und vergessen.
Eine weitere Frage an Michel Rochat bezieht sich auf die Kosten der Hotelfachschulen. Während die EHL für einen Schweizer Bürger etwas über CHF 80'000 kostet, kommt ein Metallbauer an der ETH mit Semesterkosten von CHF 800.- durch. Weshalb kann kein Schweizer Koch an einem staatlichen Institut in seinem Metier «offiziell» studieren?
Die Hotelfachschulen seien private Schulen. ETH, Universität seien staatlich. Der Staat beschliesst die Fach- und Studienrichtung. Zum Thema Gastronomie, Hotellerie, Tourismus sei nie ein Ausbildungsentscheid gefällt und eine entsprechende Studieneinrichtung beschlossen worden. Deshalb decken diese Bereiche private Hotelfachschulen ab. Und es sei ja nicht so, dass die öffentlichen Ausbildungen nichts kosten. Ein Chemiestudium kostet etwa gleich viel wie die EHL. Ein Medizinstudium kostet CHF 120'000 pro Jahr. Nur trage hier der Staat und damit der Steuerzahler die Kosten.
Immerhin forscht die EHL, und zwar praxisbezogen, an branchenübergreifenden Lösungen, um Brücken zwischen Wirtschaft und der akademischen Welt zu schlagen. Das «Innovations-Dorf», ein Institut für Business Creativity, Forschungslabors etc. ist dabei das Kernstück, das dem zeitgenössischen Ansatz Lösungen aus der Sicht von Anwendern gerecht wird. Die Start-Up-Kultur, das Design Thinking etc. beeinflusse die Dynamik der konstanten Veränderung, dem musste man gerecht werden. Es ist nicht mehr einfach eine Schule, die jemand anfängt und dann genormt abschliesst. Vielmehr haben Studierende der EHL ganz viele Phasen der Lösungsfindung bereits echt durchlebt und gehen mit einem «offenen Geist» in die Welt hinaus. Das eigentliche Erfolgsrezept der EHL sei mit «how to connect dots» am besten auf den Punkt zu bringen.
Das «Innovations-Dorf» übrigens ist durch Schüler für Schüler gestaltet worden. Anfangs sei das vorderhand eine reine Ausschreibung für Architekten gewesen. Am Schluss waren es ein Gestaltungsteam aus einer Schülerin und drei Schülern. Das Durchschnittsalter von renommierten Architekten im Geiste sei gefühlt bei 80 Jahren gelegen, und in diesen Dimensionen hätten die auch gedacht. Die jungen Schüler hätten ja auch ein schönes Gebäude gebaut, aber gerade im Innenbereich, wo die Lernprozesse im Sinne von «how to connect dots» fliessen müssen, liegt die wahre Leistung. Hier haben die Jungen mit ihrem Denken und ihrem geistigen Esprit die eigenen Lernprozesse in die Physik des Gebäudes einfliessen lassen. Das ermöglicht es der EHL auch 125 Nationalitäten zusammenzubringen und zu verbinden.
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Zur Person:
Michel Rochat ist Präsident des Verwaltungsrats der EHL Haute Ecole, der EHL Advisory Services, der EHL Singapore Ltd und der EHL Swiss School of Tourism and Hospitality (EHL-SSTH). Er ist auch Mitglied des Verwaltungsrats der Leysin American School, des Tourismusrats (Schweiz Tourismus) sowie der Fondation Semaine Suisse du Goût. Michel Rochat ist Absolvent der HEC Lausanne (MS Entrepreneurial Studies, 1980), der Ecole polytechnique fédérale de Lausanne (Master Higher Education, 2004), Stanford (Exec. Program in International Management, 2019) und der National University of Singapore. Seit 2019 ist er unter anderem Präsident von "Vins Vaudois", einer staatlichen Einrichtung, die sich der Förderung lokaler Produkte widmet und seit 2021 Präsident von "Vaud Promotion", zur Förderung der Waadtländer Identität durch den Zusammenschluss der Waadtländer Akteure aus den Bereichen Wirtschaft, Tourismus, Kultur, Weinbau, Landwirtschaft und Sport.
Über die EHL Gruppe:
Die EHL Gruppe ist eine weltweite Referenzgrösse für Bildung, Innovation und Beratung im Hospitality- und Dienstleistungssektor. Mit ihrer Expertise, die bis ins Jahr 1893 zurückreicht, bietet die EHL Gruppe heute an drei Standorten in der Schweiz und in Singapur eine breite Palette an wegweisenden Bildungsprogrammen an – von der Berufslehre bis zum Master-Abschluss und von der beruflichen Weiterbildung bis zur Weiterbildung von Führungskräften. Darüber hinaus erbringt die EHL Gruppe Beratungs- und Zertifizierungsdienstleistungen für Unternehmen und Lernzentren auf der ganzen Welt. Abgestimmt auf ihre Werte und das übergeordnete Ziel, eine nachhaltige Welt zu schaffen, bündelt die EHL Gruppe Bildung, Dienstleistungen und Arbeitsumgebungen, die den Menschen in den Mittelpunkt stellen und für Weltoffenheit stehen.
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