BAYARD KARTOFFELN
Beim bunten Reigen der starken Stärke-Knollen kommt man am Albulatal - Grüsse gehen raus an Freddy - eigentlich fast nicht vorbei. Aber nur fast, denn die 100-jährige Erfahrung der Familie Bayard in Nordfrankreich kann sich mehr als sehen lassen. Beim Überblick des ganzen Angebots, das es in sich hat, helfen meine netten Kolleginnen und Kollegen am Telefon gerne weiter. Und für Kurzentschlossene overnight auch im Anbruch direkt auf dem Markt verfügbar.
CARDY
«Sie säen Weizen, aber Disteln werden sie ernten...» Jeremia 12:13. Nun ja, Zöliakie kannte da noch keiner und für die guten Sachen kam man früher sowieso immer schneller in die Hölle, als man sich einen Stachel dieser Korbblütler unter den Fingernagel rammen konnte. «Der Pfad des Genusses ist auf beiden Seiten gesäumt mit dornigen Entbehrungen und der Tyrannei ambitionierter Küchenchefs.» Johannes 8:15.
POMODORO DEL VESUVIO
Die fette, wie Lava rotglühende Tomaten-Traube vom Vesuv ist wieder da. Normale Tomaten streichen spätestens nach 14 Tagen die Segel. Nicht so diese kämpferische Sorte. Trockene und fruchtbare Böden, kombiniert mit markant klimatisch unterschiedlichen Bedingungen, machen aus diesem dickschaligen Paradeiser nicht nur einen der geschmacksintensivsten, sondern auch den haltbarsten Vertreter seiner Art.
KÜTTIGER RÜEBLI
Und wieder schlagen die Enzianer zu. Diesmal mit dem erdigen, dafür wenig süssen Küttiger Rüebli. Die konische, weisse Ur-Carotte aus dem Aargau ist robust wie Karl der Koyote. Zusätzlich ist auch sympathisch, dass ihnen dieser manchmal «grantige» Möhrengeschmack abgeht, der anderen Sorten gerne anhaftet.
MÖNCHSBART
Wer dachte, die Krönung unserer neuen Geschäftsleitung oder der Thronwechsel in England wäre das Spektakel des Jahrzehnts, hat sich mal richtig hart geirrt. Engels-Chöre, Glockenläuten, der Papst boxt im Kettenhemd und die Italiener tischen weiterhin superb auf. Mir soll’s recht sein, denn mit diesem köstlich mineralischen Fuchsschwanzgewächs betritt der für mich himmlischste Kandidat die Bühne – und das winterliche «Trio infernal» ist endlich komplett. Halleluja!
CLEMENTINEN MIT BLATT
Zwei Wochen habe ich die Nadorcott vor mir hergeschoben und immer wieder wegen Platzmangel gestrichen. Die waren zwar eine Wucht, aber leider aus Südafrika. Muss ja nicht sein, wenn kurze Zeit später die ersten ernstzunehmenden Konkurrentinnen aus Spanien eintrudeln. Und da wären sie nun. Schon jetzt angenehm austariert, zeigen sie wo die Reise hingeht.
MANDARINEN MIYAGAWA
Vorletzte Woche hatte Tiziano an den Mandarinen Mapo einen Narren gefressen. Tja, die Wege des Chefs sind manchmal unergründlich, und die Begeisterung hielt sich zumindest bei mir in Grenzen. Apropos Begeisterung… Miyagawa. Im kernarm schmelzenden Fruchtfleisch harmoniert eine milde Säure, mit ihren leichten Lime-Noten, fabulös mit den Bitterstoffen der Grapefruit. Aussen giftgrün, innen grelles orange. Farblich krasses «Fukushima-Nuke-Doping» von Sizilien.
KAKI PERSIMON
Obwohl nicht so meins, kommt nun Everybodys Darling unter den Kakis. Die Vorteile sprechen für sich. Angenehmer Fruchtzuckergehalt ohne Kerne, schnittfest und wenig saftend, ist diese Zuchtform fast schon auf den Kücheneinsatz getrimmt. Also ehre, wem Ehre gebührt.
