Die Förderung des Nachwuchses gehört zu den vornehmsten Aufgaben einer Branche, die von Handwerk, Erfahrung und Weitergabe lebt. Vor diesem Hintergrund ist der Bildungsevent YoungStar, der am 15. September 2026 an der Richemont Fachschule stattfindet, ein bemerkenswerter Anlass. Veranstaltet von Agrano, richtet sich das Format an Lernende sowie frisch ausgebildete Bäckerinnen, Konditoren, Confiseurinnen und Köchinnen – also genau an jene Generation, von der die Zukunft der kulinarischen Berufe abhängt.
Das Konzept ist bewusst praxisnah angelegt. Im Zentrum stehen Workshops, die von ausgewiesenen Fachpersönlichkeiten der Branche geleitet werden. Sie sollen Inspiration geben, Techniken vermitteln und jungen Berufsleuten Einblicke in verschiedene Facetten ihres Handwerks eröffnen.
Zu den Referenten zählt etwa René Schudel, Gastronom und YoungStar-Fachexperte der ersten Stunde, der im Outdoor-Workshop praktische Aspekte des Grillierens vermittelt. Rolf Mürner, ehemaliger Pâtissier-Weltmeister und vielfach ausgezeichneter Buchautor, gibt Einblicke in die Welt der Patisserie und zeigt Techniken, die sich auch im beruflichen Alltag anwenden lassen. Vera Stocker, SwissSkills-Siegerin 2022, widmet sich den vielfältigen Möglichkeiten des Croissantteigs, während Cléo Arrunategui, Wildkräuterexpertin der Wildkräuterschule «Empowerment for Life», die Teilnehmenden in die Welt essbarer Wildpflanzen einführt.
Kochen im echten Service
Ein besonderer Programmpunkt ist das Format «Cook with a Champion». Unter der Leitung von Niklas Schneider, ehemaliges Mitglied der Kochnationalmannschaft und zuvor im Restaurant Paradies in Baden tätig, arbeiten die Teilnehmenden am Vormittag in einer grossen Brigade zusammen und bereiten ein Gourmetmenü für rund 200 Gäste zu. Damit erleben sie nicht nur die kreative Seite der Küche, sondern auch die Dynamik eines realen Service-Settings.
Am Nachmittag stehen zusätzliche Workshops zur Auswahl, aus denen die Teilnehmenden zwei frei wählen können – eine Neuerung, die dem Anlass mehr individuelle Tiefe verleihen soll.
Engagement der Branche
Mit Transgourmet Schweiz hat YoungStar 2026 zudem einen neuen Hauptpartner gewonnen. Agrano engagiert sich seit 2014 für die Nachwuchsförderung in den Berufen der Bäckerei, Konditorei, Confiserie und Gastronomie. «Unser Ziel ist es, dass die Teilnehmenden voller Inspiration, Begeisterung und Tatendrang nach Hause gehen», erklärt Pascal Braun, YoungStar-Gründer und Marketingverantwortlicher bei Agrano.
Dank der Unterstützung von Partnern und Sponsoren ist die Teilnahme für Lernende kostenlos. Die Plätze sind jedoch auf 140 Teilnehmende begrenzt. Neben Transgourmet unterstützen Medien- und Branchenpartner wie Salz & Pfeffer, panissimo, die Hotellerie Gastronomie Zeitung, Gastrofacts, Pitec sowie Sel des Alpes die Veranstaltung.
Inspiration ist wichtig – Fundament ebenso
Solche Initiativen verdienen Anerkennung. Sie bringen junge Berufsleute mit erfahrenen Persönlichkeiten zusammen, ermöglichen Einblicke in andere Arbeitsweisen und stärken das Selbstbewusstsein einer Generation, die sich in einer zunehmend anspruchsvollen Branche behaupten muss.
Gleichzeitig wirft der Erfolg solcher Formate auch eine grundsätzliche Frage auf: Welche Rolle sollen sie künftig in der Berufsbildung spielen?
Die Gastronomie befindet sich derzeit in einem tiefgreifenden Wandel. Lehrmittel werden digitalisiert, klassische Referenzwerke verschwinden zunehmend aus dem Unterricht, und viele Lernende bewegen sich in einer Ausbildung, die stärker von Plattformen und Modulen als von gewachsenen Wissenssystemen geprägt ist.
In diesem Umfeld übernehmen Veranstaltungen wie YoungStar fast zwangsläufig eine zusätzliche Rolle. Sie werden zu Orten, an denen Wissen, Handwerk und Inspiration verdichtet vermittelt werden – gewissermassen zu temporären Akademien der Praxis.
Das ist wertvoll. Doch langfristig kann ein einzelner Event, so gelungen er auch sein mag, keine systematische Wissensbasis ersetzen. Inspiration entfaltet ihre Kraft erst dann vollständig, wenn sie auf ein solides Fundament aus Techniken, Referenzen und kulinarischem Verständnis trifft.
Zwischen Inspiration und Erwartung
Eine weitere Herausforderung liegt im Umgang mit Talent. Die Branche liebt es, junge Köchinnen, Bäcker oder Patissiers früh als «Stars» zu feiern – nicht zuletzt, um Begeisterung für die Berufe zu wecken. Doch jedes Podest bringt auch Erwartungen mit sich. Der nachhaltigere Weg liegt vermutlich darin, junge Talente nicht nur zu feiern, sondern ihnen zugleich Zeit und Raum zu geben, sich in Ruhe zu entwickeln.
Gerade deshalb sind Veranstaltungen wie YoungStar dann besonders wertvoll, wenn sie nicht nur spektakuläre Momente schaffen, sondern auch den Blick auf das Handwerk selbst richten: auf Techniken, Produkte, Disziplin und Teamarbeit.
Ein Anlass mit Signalwirkung
In diesem Sinne ist YoungStar ein wichtiger Beitrag zur Nachwuchsförderung – und zugleich ein Hinweis darauf, wie sehr die Branche weiterhin Orte braucht, an denen Wissen, Erfahrung und Leidenschaft unmittelbar weitergegeben werden.
Die Begeisterung für das Handwerk entsteht selten in Lehrplänen allein.
Sie entsteht dort, wo Menschen gemeinsam arbeiten, voneinander lernen – und erleben, wie viel Tiefe in diesen Berufen steckt.

Bild: zVg | Vera Stocker, SwissSkills-Siegerin 2022, widmet sich den vielfältigen Möglichkeiten des Croissantteigs.