TAFELORANGEN
Navel
Herkunft: Brasilien / USA (19. Jh.)
Merkmal: „Bauchnabel“ (zweite Fruchtanlage)
Saison: Winter
Typ: Tafelorange
Besonderheit: kernlos, wenig Säure
Die Navel-Orange erkennt man am „Bauchnabel“, einer zweiten, innenliegenden Fruchtanlage. Sie ist kernlos, leicht schälbar und besitzt ein mildes, süsses Aroma mit zurückhaltender Säure. Ideal als Tafelorange, weniger geeignet für Saft, da sie bei Lagerung leicht bitter werden kann. Winterklassiker mit hoher Alltagstauglichkeit.
Valencia Late
Herkunft: Spanien
Saison: Frühling–Sommer
Typ: Saftorange
Besonderheit: saftig, ausgewogene Säure
Die Valencia Late ist die klassische Saftorange des Sommers. Spätreifend, sehr saftig und aromatisch, mit ausgewogenem Verhältnis von Süsse und frischer Säure. Ihre dünne Schale und der hohe Saftgehalt machen sie ideal für Frischsaft, aber auch für Küche und Patisserie. Robust, vielseitig und weltweit verbreitet.
Jaffa
Herkunft: Israel
Merkmal: dicke Schale
Typ: Exportklassiker
Die Jaffa-Orange stammt ursprünglich aus Israel und war eine der ersten grossen Exportorangen Europas. Charakteristisch sind ihre feste, eher dicke Schale und ihr ausgewogen süss-säuerliches Aroma. Sie ist gut transportfähig, aromatisch stabil und sowohl als Tafel- wie auch als Saftorange geeignet. Ein Handelsklassiker mit Geschichte.
Salustiana
Herkunft: Spanien
Typ: Saftorange
Besonderheit: sehr mild
Die Salustiana ist eine spanische Saftorange mit besonders mildem, nahezu säurearmem Profil. Ihr Fruchtfleisch ist sehr saftig, fein strukturiert und meist kernlos. Sie liefert einen klaren, süssen Saft ohne dominante Bittertöne und wird daher geschätzt für Frühstückssäfte und leichte Desserts. Unaufgeregt, aber zuverlässig.
Tarocco
Herkunft: Sizilien
Typ: Tafel/Allround
Merkmal: marmorierte Rotfärbung
Aroma: süss, wenig bitter
Die Tarocco gilt als edelste der sizilianischen Blutorangen. Ihr Fruchtfleisch ist nur leicht bis marmoriert rot gefärbt, das Aroma jedoch intensiv: süss, saftig, mit feiner Säure und kaum Bitterkeit. Durch die starken Temperaturunterschiede am Ätna entwickelt sie ihre charakteristische Frische. Vielseitig, aromatisch komplex und selten aggressiv.

Bild: RB | Fruchtfleisch einer Tarocco
Moro
Herkunft: Sizilien
Merkmal: tiefdunkles Fruchtfleisch
Aroma: kräftig, leicht bitter
Die Moro ist die dunkelste und markanteste der Blutorangen. Ihr Fruchtfleisch kann tief purpur bis fast schwarzrot erscheinen. Aromatisch ist sie kräftig, mit deutlicher Säure und feiner Bitternote, begleitet von beerigen Anklängen. Sie eignet sich für markante Desserts, Saucen und Salate – weniger gefällig, dafür charakterstark.
Sanguinello
Herkunft: Spanien/Italien
Merkmal: spätreifend
Aroma: ausgewogen
Die Sanguinello ist eine spätreifende Blutorange aus Spanien und Sizilien. Ihr Fruchtfleisch zeigt eine gleichmässige, rubinrote Färbung, das Aroma ist ausgewogen zwischen Süsse und frischer Säure, mit nur leichter Bitternote. Saftig und elegant, eignet sie sich für Frischverzehr ebenso wie für Salate und feine Saucen.
Die Rotfärbung bei Blutorangen entsteht durch Anthocyane, gefördert durch starke Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht.
BITTERORANGEN
Pomeranze (Seville)
Botanik: Citrus aurantium
Typ: Bitterorange
Verwendung: Marmelade, Likör (Cointreau), Parfüm
Aroma: stark bitter, intensiv ätherisch
Die Pomeranze (Citrus aurantium) ist keine klassische Speiseorange, sondern die Urform der Bitterorange. Ihr Aroma ist intensiv, ätherisch und deutlich bitter, mit markanter Säure. Verwendet wird sie vor allem für Orangenmarmelade, Liköre wie Cointreau oder Curaçao sowie in der Parfümerie. Roh kaum geniessbar, in der Verarbeitung von grosser Tiefe.
ANDERE SORTEN
Cara Cara
Typ: Navel-Mutation
Merkmal: rosafarbenes Fruchtfleisch
Aroma: sehr süss, wenig Säure
Die Cara Cara ist eine Mutation der Navel-Orange mit lachsrosa bis rubinfarbenem Fruchtfleisch. Sie ist kernlos, sehr saftig und deutlich süsser als viele klassische Navels, bei nur milder Säure. Ihr Aroma wirkt weich und leicht beerig. Ideal als Tafelorange oder für elegante Salate – optisch auffällig, geschmacklich zugänglich.
Bergamotte
Botanik: Citrus bergamia
Verwendung: Earl Grey (Earl Grey ist per Definition Tee mit Bergamotte), Parfüm
Nicht klassische Speiseorange
Die Bergamotte (Citrus bergamia) ist eine aromatisch intensive Zitrusfrucht aus Kalabrien, deren Wert weniger im Fruchtfleisch als in der Schale liegt. Ihr Duft ist floral, herb und leicht bitter. Berühmt wurde sie als Aromageber von Earl Grey und in der Parfümerie. Kulinarisch sparsam eingesetzt, von grosser olfaktorischer Tiefe.
Chinotto
Botanik: Citrus myrtifolia
Typ: bitter
Verwendung: Limonade (Italien)
Der Chinotto (Citrus myrtifolia) ist eine kleinfrüchtige Bitterorange aus Italien mit intensiv herber, fast medizinischer Aromatik. Das Fruchtfleisch ist stark bitter, die Schale reich an ätherischen Ölen. Roh kaum geniessbar, bildet diese Bitterfrucht die Basis der gleichnamigen italienischen Kult-Limonade. Charaktervoll, kantig, fern jeder Süsse und nichts für Gefälligkeit.
Navelina
Herkunft: Spanien
Saison: Früh
Typ: Tafelorange
Die Navelina ist eine frühe Mutation der Navel-Orange und eröffnet in Spanien meist die Orangensaison. Sie ist kernlos, gut schälbar und aromatisch milder als spätere Sorten, mit feiner Süsse und moderater Säure. Als Tafelorange geschätzt, weniger komplex als Valencia, dafür früh, zuverlässig und marktstark.
ACHTUNG! KEINE ORANGE
Minneola
Herkunft: USA (Florida, 1931, USDA-Züchtung)
Typ: Tangelo (Kreuzung aus Mandarine × Grapefruit)
Merkmal: ausgeprägter „Hals“ am Stielansatz
Saison: Winter bis Frühling
Besonderheit: sehr saftig, süss mit frischer Säure, meist kernarm
Die Minneola ist streng genommen keine Orange, sondern eine Tangelo, also eine Kreuzung aus Mandarine und Grapefruit. Sie entstand in den USA und ist an ihrem charakteristischen Hals am Stielansatz erkennbar. Aromatisch verbindet sie ausgeprägte Süsse mit frischer, leicht herber Säure. Sehr saftig, kernarm und gut schälbar, eignet sie sich für Frischverzehr wie für Salate. Intensiver als viele Orangen, lebhafter im Profil.

