ENTSCHEIDUNGSINSTRUMENT: Realistic Job Preview (RJP) - Arbeitsanleitung zur Klärung von Erwartung und Wirklichkeit im Gastgewerbe.
Ein Realistic Job Preview (RJP) ist kein Werbeinstrument, sondern ein strukturierter Prozess. Ziel ist es, ein realistisches Bild eines Berufs zu vermitteln, bevor eine Entscheidung getroffen wird. Im Zentrum steht der Abgleich zwischen Erwartung und tatsächlicher Arbeitsrealität.
_____________________
Text: Romeo Brodmann | Bild: Unsplash, Francesco Liotti
Von Angebotskarten über Pauli Fachbuchverlag AG und MyPauliLog bis Gloria Helvetia Brodmann Cigars auf LEEK.ch.
LEEK.ch: Die unabhänige Suchplattform für Gastronomie und Hotellerie von Das Pauli Magazin.
Folgender Artikel könnte Sie evenfalls interessieren:
Wissen: Ketogene Diät, Fasten, Holywood-Star-Diät, schlank durch Babyhormon oder friss doch lieber die Hälfte-Diät. Eine Übersicht.
1. Arbeitsrealität erfassen
Zu Beginn wird der Beruf so beschrieben, wie er tatsächlich ausgeübt wird. Nicht das Idealbild, sondern der Alltag steht im Fokus.
Zu klären sind insbesondere:
- Arbeitszeiten (inkl. Abende, Wochenenden, Feiertage)
- körperliche und psychische Belastung
- Anteil an Wiederholung und Routine
- Hierarchien und Führungsstruktur
- Lohnentwicklung und Perspektiven
Ziel ist ein vollständiges, unverzerrtes Bild des Berufs.
2. Spannungsfelder sichtbar machen
Jeder Beruf besteht aus Gegensätzen. Diese werden bewusst benannt und nicht geglättet.
Typische Spannungsfelder im Gastgewerbe:
- Kreativität vs. Reproduktion
- Teamarbeit vs. Hierarchie
- Leidenschaft vs. Belastung
Ein realistisches Berufsbild entsteht erst, wenn diese Gegensätze sichtbar werden.
3. Realität erfahrbar machen
Information allein reicht nicht aus. Die Arbeitsrealität muss erlebbar werden.
Geeignete Mittel:
- Realistische Schnuppertage
- Probearbeiten unter realen ungeschönten Bedingungen
- Klärende Gespräche mit Lernenden, Eltern und Ausbildnern
Entscheidend ist, dass keine Inszenierung stattfindet, sondern Einblick in den tatsächlichen Betrieb.
4. Erwartungen explizit formulieren
Vor dem Abgleich müssen Erwartungen sichtbar gemacht werden.
Zentrale Fragen:
- Was erwarte ich von diesem Beruf?
- Was verspreche ich mir persönlich davon?
- Welche Aspekte erscheinen mir besonders attraktiv?
Die Antworten sollten möglichst konkret formuliert werden.
5. Abgleich von Erwartung und Realität
Im nächsten Schritt werden Erwartung und Realität systematisch gegenübergestellt.
Dabei geht es nicht um Bewertung, sondern um Klärung:
- Wo stimmen Erwartung und Realität überein?
- Wo bestehen Differenzen?
- Welche Punkte wurden unterschätzt oder überschätzt?
Dieser Schritt bildet den Kern des RJP.
6. Entscheidung unter realistischen Bedingungen
Auf Basis dieses Abgleichs wird die Entscheidung bewusst getroffen.
Leitfrage:
Passt dieser Beruf zu mir, so wie er tatsächlich ist?
Eine Entscheidung gegen den Beruf ist dabei ebenso legitim wie eine Entscheidung dafür.
7. Konsequenzen zulassen
Ein zentrales Element des RJP ist die Akzeptanz der Ergebnisse.
Das bedeutet:
- Ein früher Verzicht gilt nicht als Scheitern
- Eine reduzierte Anzahl Lernender ist kein Problem
- Entscheidend ist die Passung, nicht die Menge
Ziel ist nicht, möglichst viele in die Ausbildung zu bringen, sondern diejenigen, die langfristig im Beruf bleiben.
Einordnung
Das Konzept des Realistic Job Preview ist seit den 1970er-Jahren in der Arbeits- und Organisationspsychologie etabliert. Es zeigt, dass realistische Informationen über einen Beruf zu einer besseren Passung zwischen Person und Tätigkeit führen.
Im eigentlichen Wortsinn verhindert dieser Ansatz die Ent-Täuschung: die Auflösung eines zuvor aufgebauten, aber nicht tragfähigen Trugbildes.
Ein Realistic Job Preview ist also kein Instrument zur Rekrutierung, sondern zur Klärung.
Es verschiebt die Selektion vom Ende der Ausbildung an deren Anfang.

