LERNEN: Die Küche ist das beliebteste Klassenzimmer. Warum Kochen das wichtigste Hobby der Deutschen ist und was Gastronomen daraus lernen können.
Die Gastronomie sucht ständig nach neuen Trends, nach neuen Geschmäckern, nach neuen Konzepten. Dabei liegt eine der wichtigsten Antworten längst auf dem Küchentisch der Deutschen. Eine aktuelle Untersuchung der Lernplattform Nachhilfeunterricht.de zeigt: Kochen und Backen sind mit Abstand das beliebteste Hobby in Deutschland. Rund 68 % der Erwachsenen geben an, regelmässig zu kochen oder zu backen. Damit liegt die Küche deutlich vor klassischen Freizeitbeschäftigungen wie Radfahren (43 %) oder Wandern (41 %). Für Gastronomen ist das eine interessante Erkenntnis. Denn sie zeigt: Die Küche ist für viele Menschen längst mehr als ein Ort der Nahrungszubereitung. Sie ist Experimentierfeld, Lernraum und Selbstverwirklichung zugleich.
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Text: Stefan Schramm | Bilder: Unsplash, Jason Briscoe, Md Ishak Raman
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Der neue Amateur
Was früher als Alltagsroutine galt, wird heute bewusst gepflegt. Viele Menschen nutzen Hobbys, um Fähigkeiten zu entwickeln, Neues auszuprobieren oder schlicht den Kopf freizubekommen. Rund zwei Drittel der Befragten geben an, dass ihre Hobbys vor allem Stress abbauen und das Wohlbefinden steigern sollen.
Das verändert auch die Beziehung zwischen Gästen und Gastronomie.
Der Gast von heute kommt nicht mehr völlig ahnungslos ins Restaurant. Viele kochen selbst, schauen Videos, besuchen Workshops oder probieren neue Techniken zu Hause aus. Das Niveau der kulinarischen Neugier steigt ebenso wie die Erwartungen.
Der Restaurantbesuch wird dadurch weniger zum Ort des reinen Konsums und mehr zum Ort der Inspiration.
Lernen ohne Schule
Ein weiteres Ergebnis der Studie: Lernen findet heute oft ausserhalb klassischer Bildungsinstitutionen statt.
Hobbys werden zu einer Art informeller Weiterbildung. Menschen lernen Sprachen, Fotografie, Handwerk oder eben Kochen. Rund 22 % der Erwachsenen nehmen sich sogar gezielt vor, ein neues Hobby oder eine neue Fähigkeit zu erlernen.
Diese Entwicklung hat Folgen für die Gastronomie, denn viele Gäste interessieren sich nicht mehr nur für das fertige Gericht, sondern auch für:
- Zutaten
- Techniken
- Herkunft
- Zubereitung
Der Teller wird zum Gesprächsanlass.
Der heimliche Wettbewerb
Für Restaurants entsteht dadurch eine neue Situation. Sie konkurrieren nicht mehr nur mit anderen Restaurants, sondern auch mit der eigenen Küche ihrer Gäste.
Wenn zwei Drittel der Bevölkerung regelmässig kochen, stellt sich bei jedem Restaurantbesuch automatisch die Frage: Kann dieses Gericht mehr, als ich zu Hause kochen könnte? Die Antwort muss nicht zwingend spektakulär sein. Aber sie muss überzeugend sein durch Qualität, Präzision oder Erfahrung.
Zeit, Kosten und Müdigkeit
Interessant ist auch, warum Menschen ihre Hobbys manchmal aufgeben. Die häufigsten Gründe sind erstaunlich banal: Kosten, Zeitmangel und Erschöpfung nach der Arbeit. Das zeigt auch etwas über die Gastronomie selbst.
Viele Menschen kochen gerne, aber nicht jeden Tag. Restaurants bleiben deshalb der Ort, an dem sich Menschen Kocharbeit ersparen und trotzdem kulinarische Qualität erleben wollen.
Das Restaurant ist nicht Ersatz für die Küche sondern deren Entlastung und Erweiterung.
Was Gastronomen daraus lernen können
Die wichtigste Erkenntnis der Studie ist vielleicht diese: Kochen ist längst kein Randinteresse mehr. Es ist ein kulturelles Grundhobby geworden.
Für Restaurants bedeutet das:
- Gäste verstehen Zutaten besser
- Gäste erkennen Qualität schneller
- Gäste interessieren sich für Techniken
Die Küche ist heute nicht nur Produktionsstätte, sondern auch Bildungsraum. Und vielleicht erklärt genau das, warum offene Küchen, Workshops, Degustationen oder Chef’s Tables so gut funktionieren.
Denn wer gerne kocht, schaut auch gerne zu.
Quelle der Studie:
Nachhilfeunterricht.de – «So lernen Erwachsene in Deutschland durch ihre Hobbys»
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Beschreibung der Studie (Methodik)Lernen durch Hobbys in Deutschland.
Die Analyse untersucht, welche Rolle Hobbys beim Lernen und bei der Kompetenzentwicklung im Erwachsenenalter spielen.
Stichprobe
- 1.549 Erwachsene in Deutschland
- bundesweite Befragung
- unterschiedliche Altersgruppen und Erwerbsformen
Untersuchungsfelder
Die Studie analysierte unter anderem:
- welche Hobbys Erwachsene ausüben
- warum sie diese Hobbys betreiben
- wie viel Zeit sie dafür aufwenden
- welche Fähigkeiten dabei entstehen
- welche Hürden beim Lernen auftreten
- welche Hobbys berufliche Chancen eröffnen könnten
Datengrundlagen
Die Studie kombiniert mehrere Datenquellen:
- Primärbefragung von 1.549 Erwachsenen
- Arbeitsmarktdaten aus Stellenanzeigen auf Glassdoor
- Suchdatenanalyse über den Google Keyword Planner
- regionale Auswertung nach Alter, Beruf und Wohnortnähe
Der Stichtag für die Analyse der Stellenanzeigen lag am 8. Januar 2025.
Wichtige Ergebnisse
- Kochen und Backen: 68 % der Erwachsenen
- Radfahren: 43 %
- Wandern: 41 %
- Fotografie: 27 %
- Sprachen lernen: 27 %
Motivationen:
- Stressabbau: 65 %
- Abwechslung vom Alltag: 65 %
- körperliche Aktivität: 64 %
Hürden:
- Kosten: 27 %
- mangelnde Motivation: 23 %
- Zeitmangel durch Arbeit: 21 %
