VIDEO-PODCAST: Digitale Demenz und das verlorene Narrativ. Jahresendgespräch von Schramm und Brodmann. «Romeo, Beruhig dich!»
Ein Gespräch zwischen zwei Menschen, die sich seit Jahren kennen, beginnt an diesem Nachmittag mit einer einfachen Frage: Wie startet man eigentlich in den Tag? Für Stefan Schramm mit einem selbstgemachten Ingwershot – Zitrone, Honig, Kurkuma, Wasser. Und mit dem Blick aufs Handy. Schramm geht, wann immer möglich, mit der Fliege an der Rute ans Wasser: Ruhe statt Reizüberflutung. Romeo Brodmann zieht es dagegen ins Gym, am liebsten frühmorgens. Gewichte drücken – der Kampf gegen Stahl und eigene Grenzen ist für ihn ein Filter. Stehe er später in der Küche, wolle er einen 20-kg-Zuckersack mit einer Hand auf den Tisch stellen können, ohne sich zu verbiegen, lacht er. Zwei Rituale, die unterschiedlicher kaum sein könnten – und gerade deshalb genau in die Zeit passen. 2025 war ein Jahr, das irritiert, erstaunt und berührt hat. Die Gastronomie schliddert in einen Narrativverlust, der tiefer reicht als fehlende Rezepte. Es geht um Bedeutungen, Herkunft, Identität. Früher wusste man, warum ein Gericht entstand, wer es erfand und welche Idee es trug. Heute dominieren algorithmische Trends, austauschbare Tellerbilder, Storytelling ohne Wurzeln. Gleichzeitig schleichen sich Robotik und KI in die Küchen – oft unbemerkt, bis der Augenblick der Erkenntnis plötzlich schmerzen könnte. Eine Frage stach mit brutalen Medien-Sparrunden und Stellenabbau insbesondere bei SRF besonders hervor: Was hat eine Zeitschrift, eine Redaktion im Fachmedienbereich heute überhaupt noch für eine Bedeutung? Bei Das Pauli Magazin herrscht dazu eine klare Haltung: Verantwortung tragen – Bewahren (Wissen, Handwerk und kulturelle Identität), Dokumentieren und Erklären (Komplexität verständlich machen, Hintergründe liefern, Zusammenhänge sichtbar machen), Einordnen (Trends, Entwicklungen und Probleme) und auch Inspirieren (Neugier, Stolz und Qualitätshunger wecken). Doch eine der wichtigsten Aufgaben verorten Schramm und Brodmann beim Widersprechen. Bei Das Pauli Magazin ist die Aufgabe, das zu benennen, was andere verschweigen wollen, zentral. Auch wenn es unbequem ist und man dafür schon einmal angefeindet wird. Und natürlich habe man auch eine Verantwortung gegenüber der Zukunft: Ein Fachmedium trägt zur Weitergabe und Erneuerung einer Kultur bei. Es dokumentiert, erklärt – und prägt unter Umständen auch, wie die nächste Generation über Essen, Handwerk und Berufsethos denkt.
