Wer mit den Leuten, insbesondere mit den älteren Winzern im Umland von Genf redet bekommt es hinter vorgehaltener Hand zu hören: Weit zurück in der Vergangenheit habe man eine Zeitlang halt schon Masse statt Klasse produziert. Das hängt den Weinen zum Teil noch an, es verhinderte aber vor rund 50 Jahren auch den Durchbruch in die Westschweiz.
Wer es genau wissen will, stellt sich in der Deutschschweiz in irgendeine X-beliebige Weinhandlung und sucht nach einem Genfer Wein. Fahlanzeige. Jérôme Cruz von der Domaine de Beauvent in Bernex sagt lachend, er liefere zwar mitten in das kulinarische Schwergewicht Kopenhagen, aber keine einzige Flasche nach Zürich.
Auch in Genf ist viel Wasser die Rhône hinuntergeflossen, die jüngeren Generationen haben das Zepter übernommen oder mischen im elterlichen Betrieb kräftig mit. Eine Progressive Dynamik ist spürbar und die heutigen Weine haben kaum mehr etwas mit denen von damals zu tun.
Ein Beispiel der Güte in diesem Landstrich zeigt sich an der hier schon fast verehrten Traubensorte Aligoté, die im Burgund immer mehr an Bedeutung verliert, da viele glauben, daraus lassen sich keine Grossen Weine, sondern lediglich laue Crémants de Bourgogne herstellen, die nur noch mit Liqueur de Cassis zu einem Kir gemischt werden können.
In Genf werden aus dem Aligoté hervorragende und wunderbare Weine bereitet, die es mitunter faustdick hinter den Ohren haben. Auch wenn es für Deutschschweizer am Ende des Lac Léman so aussieht, als sei der Zwackel abgezwick - es handelt sich beim Hinterland von Genf mit 1391 Ha Rebfläche* um das drittgrösste Weinanbaugebiet der Schweiz. Nur das Wallis (4766 Ha Rebfläche*) und der Kanton Waadt (3787 Ha Rebfläche*) sind grösser. (*Quelle: Statista).
Das bietet jetzt gerade für Gastronomen einen interessanten Aspekt: Kein einziger dieser Weine, die sich noch selbst entdecken lassen, sofern man gewillt ist ins Auto zu sitzen und eine Tour de Géneve in Angriff zu nehmen, sind in einem Supermarkregal im Sortiment. Damit sind diese Weine nicht vergleichbar und für Gäste ein neues Terroir, das sich gerne entdecken lässt.
Übrigens, 20 Genfer Winzer bekennen sich zu einem Projekt, das wortwörtlich den «Geist des Terroirs» in die Nase und auf den Gaumen übertragen soll. Der L’Esprit de Genève ist nicht einfach ein Wein, sondern eine Jährliches Projekt, bei dem jeder Winzer dieselbe Traubenbasis nimmt: 50% Gamey, 20% Gamaret und/oder Garanoir, 30% sind frei. Daraus wird ein Weinbereitet und im Barrique ausgebaut. So viel schmeckt Genf möchte man da sagen.
Unter folgendem Link finden Sie alle Genfer Winzer:
https://www.geneveterroir.ch/fr/vins/4581
